Nr.20

24. Juni 2005 von Thomas Meinecke

Nordwest Zeitung:

Geheimnisvoller Dichter sucht den Sinn der Existenz.
Zum 100. Geburtstag von Jean-Paul Sartre.
Sartre machte den Existenzialismus zur Mode.
Sein Leben lang litt der Philosoph unter seiner Häßlichkeit.
Er flüchtete in die Bücher.

24. Juni 1995: Die Christopher Street Day Parade in Oldenburg fängt klein an. Bei der Premiere machen etwa 800 Homosexuelle mit, mutig trägt man das Motto Verstecken gilt nicht zum Schloßplatz.

28. Juni 1997: Unter der Organisation des neuen Vereinst LuST e.V. sind 4000 Menschen dabei, erstmals beobachten viele tausend Schaulustige das Spektakel.

24. Juni 2000: Erstmals wird der Christopher Street Day richtig politisch und richtig groß. Vertreter von Stadtrat und Landtag mischen sich unter die 12000.

23. Juni 2001: Die Demonstration hat sich etabliert. 15000 Menschen laufen mit, Oldenburg ist Hochburg der schwul-lesbischen Gemeinschaft. (Bitte kommen Sie alle zu meiner Lesung am 1. Juli um 20 Uhr, wo ich in Oldenburg, Peterstraße 1 aus meinem Fag-Hag-Roman Musik lesen, mit Jochen Bonz reden und anschließend, so ab 22 Uhr, überwiegend sexuell andersdenkende House Music auflegen werde.)

21. Juli 2003: Die Marke 20000 ist geknackt. Der CSD Norwest findet bundesweite Beachtung.

Ende der nächtlichen Schmiererei: Mit auf den Rücken gefesselten Händen liegt der Festgenommene auf dem Boden. Kurz zuvor war er von der Polizei dabei erwischt worden, wie er eine Klinkerstein-Mauer der Helene-Lange-Schule mit weißer und schwarzer Farbe beschmierte.

Junge Arbeitslose (Ein-Euro-Jobs) reinigen die mit Sprühdosen traktierten Wände von Schulen und Kindergärten.

23000 Teilnehmer und Zuschauer feiern beim 10. Oldenburger Christopher Street Day.

Der Oldenburger CSD-Teilnehmer Michael hatte sich stundenlang gestylt für seinen Auftritt, und auch die superengen Stöckelschuhe durften natürlich nicht fehlen. Die blonde Steckfrisur trägt er auf 2,30 Meter Höhe, heute geht er nämlich als Dame, begleitet von seiner besten Freundin Tanja, die sich allerdings als echter Kerl in Schale geworfen hat.

Das entspricht voll dem Klischee, findet Sara (21) aus Berlin. Es gibt doch auch ganz normale Schwule und Lesben, die das nicht so nach außen tragen.

Auch lokale Polit-Prominenz ist angetreten, ihre Solidarität mit den Homosexuellen zu zeigen: Bürgermeister Germit Eilers-Dörfler und der SPD-Landtagsabgeordnete und Parteivorsitzende Wolfgang Wulf haben auf dem Wagen der Jusos Stellung bezogen und winken ins Volk.

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