Ursula verliert ihre Laune aus dem Auge

5. Juli 2007 von Saša Stanišić

Sommer ist es, Sommer, und Ursula hängt die Wäsche im Hof auf,
ihre Freunde spielen Domino und lesen sich aus den Tarot-Karten
die Zukünfte ab, sie versprechen Linearität,
laut versprechen sie jede Überraschung.

Die weißen Laken kommen ohne Wind aus,
Sommer ist es, Sommer, alle Schatten aufgetaut
und Ursulas Bruder lacht sein Soldatenlachen,
Helmut muntert ihn auf, neckt ihn, die Jungs halt.

Ursulas Wäschekorb ist blau und gehört dem Haus,
der Mittagsschlaf ein Vernichtungsakt,
willkommen unter Toten,
ein Fernsehkanal dreht einsame Runden.

Leo ist da, Eva fährt ihm über die Glatze, wird da was gehen?
Überall vierblättriger Klee, der Aberglaube ist überwunden,
bis zum Herbst orakeln die Schwestern Eindämmung und Schmerzlinderung,
nicht einmal sterben kann man hier ohne Beziehungen.

Leo greift Evas Hand und landet einen Kuss,
Ursulas Bruder beharrt darauf,
er könne Delfine wohl von Haien unterscheiden,
und dass jetzt Musik erklingen müsse, ist man sich schnell einig.

Sommer ist es, Sommer, Leo tanzt mit Eva,
ihr Rücken schmerzt gar nicht,
auf den Parkplatz biegt Besuch ein, Sommer
ist es, Sommer.

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