Privatsphäre beim Porno-Gucken | Greifswald
24. August 2007 von Saša StanišićGreifswald gegen sehr früh am Morgen, und am Vorabend dieses Sehrfrühs, das einige Augenblicke nach einem Traum von Polka tanzenden Kondensatoren statt fand, das Gespräch mit einem Studenten der evangelischen Theologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, und wie Jonas (so hieß Jonas) also dieses Gespräch mit dem gar nicht kokett gemeintem Satz einleitet: “Ich denke die ganze Zeit darüber nach, was ich dich Intelligentes fragen könnte.” Er meint Silke, Silke möchte er eine intelligente Frage stellen, Silke hat mir gerade eröffnet, dass sie einen Roman über ihre somalische Freundin schreibt, die sie in Somalien kennengelernt hat, während sie in Somalien ein somalisches Jahr gemacht hatte; darüber hält sie jetzt Vorträge an der Uni. Die meint Jonas also, die Silke meint er, es kommt zu einem sehr witzigen, in wohl überlegte politische Standpunkte verrührten Dialog zwischen den beiden, zu dem ich mir mehrmals in unterschiedlicher Reihenfolge denke: ach Kommunikation, ach soziale Rituale, ach Somalien, ach Robert-Bosch-Stiftung, ach Gerechtigkeitsattitüden, ach ethnologische Untersuchungsergebnisse mit christlicher Nächstenliebe bestreut.
Und noch vor dem Satz mit der Intelligenz, die Entstehungsweise der Begegnung: ein junger Mann, blaues Hemd - weißer Kragen, durchquert den Raum, in dem alle ein Gefäß in der Hand halten, also wirklich alle, was mir im nachhinein, bzw. jetzt am Greifswalder Hotelmorgen, da im Fernsehen nichts kommt (so früh laufen irgendwie immer nur Cartoons und überhaupt Kindersendungen, ich nehme an, Kinder saufen weniger und brauchen entsprechend weniger Schlaf), was mir also jetzt, da ich aus meiner Bettperspektive dieses Foto mache, reichlich übertrieben vorkommt, angesichts all der Hilfsprojekte und der Menschlichkeiten, um die sich alles, aber auch wirklich alles, Gott sei Dank, manchmal dreht.
Das dunkle Grau der Gardine bietet sich vordringlicher als das Graugrün der Wand an, vor der sich der kleinformatige Fernseher nicht zu auffällig abhebt; dessen schüchterne Ecklage harmoniert gut mit dem immer leicht nachdenklich wirkenden Heizungkörper.

Am 26. August 2007 um 22:51 Uhr
Schön skizziert die Stimmungslage, würde ich sagen.
Weiter kommentieren fällt mir aber schwer. Was komisch ist, weil der Text ja viel möglichen Gesprächsstoff und ein ziemliches Assoziationspotential bietet. Zum Beispiel was Silkes und Jonases angeht – weniger als Typus, eher als Phänomen; und ob man sie mögen kann bzw. möchte oder nicht/ Schlaf – wieviel, für wen und warum/ Kindersendungen - ob, wann und welche/ keine oder doch auch Parallelen zwischen Kindern und betrunkenen Erwachsenen – dazu auch www.youtube.com „Johnny Depp in The late Show 2003 PART 2“, ab Minute 3/ und natürlich zu dem, was ab Zeile 11 bis 13 im Text selber steht.
Aber ich bin noch beauftragt dem Autor mitzuteilen, dass er auf Lesungen „sehr sympathisch rüberkommt“ (Das Ganze Wildschwein-Dings zahlt sich also aus.) Und auch „Beste Grüße!“
Beste Grüße!
P.S.: http://deutung.com/ sagt, dass Polka im Traum „Ein gutes Omen für reizvolle Beschäftigungen“! ist. Für Kondensatoren zeigen die leider nichts an.