Nr.50

24. November 2006 von Michael Kumpfmüller

Der frühere VW-Betriebsratchef Volkert ist wegen Verdunklungsgefahr verhaftet worden und sitzt nun in der Justizvollzugsanstalt Renneberg im Stadtkern von Braunschweig in Untersuchungshaft. Die Braunschweiger Zeitung berichtet auf einer Sonderseite mit genüßlichlichem Pathos, was das für den “Arbeiter-Führer” bedeutet. “Man soll nicht übertreiben - aber Klaus Volkert wird von der Justiz jetzt hart angefasst.” (22.11., S. 4 “Hintergrund”). Die Zelle ist nur zwei mal drei Meter groß (dazu ein Foto), der Tageslauf streng reglementiert: Eine Frei-Stunde für Bewegung, auf Antrag nachmittags auch mal Sport (Fußball oder Street-Basketball), Telefonate (die natürlich überwacht werden) nur auf Antrag, private Besuche alle 14 Tage für eine halbe Stunde. “Es ist ein Sturz, ein bitterer, tiefer Fall”, fasst der Autor zusammen, und erinnert an Volkerts goldenes Braunschweig aus vergangenen Tagen, die “triumphalen Empfänge” im dortigen VW-Werk (”das Essen war gewiss nicht schlecht”), die noble Wohnung im Bahnhofsviertel, wo der Champagner angeblich “stets gut gekühlt” war und “auf bizarren Kurier-Wegen” alle möglichen “Damen aus Hannover” herbeigeschafft worden sein sollen. Mindestens zwei Wochen soll Volkert in U-Haft bleiben, “im schlimmsten Fall” auch bis zum Prozessbeginn. Seine Zellennachbarn allesamt “schwere Jungs”, während Volkert ja bis zuletzt gedacht hat, “das läuft korrekt”, wie er in einem Interview zu Protokoll gegeben hat. 235 Gefangene haben in der Anstalt Platz und vor allem viel Zeit, die sie sich irgendwie “vertreiben” müssen, auf schmalen Pritschen, die mit einfachen Pferdedecken belegt sind, wie man auf dem Foto erkennen kann. Einen kleinen Trost scheint es für den Gefallenen allerdings zu geben: Er kann die Braunschweiger Zeitung lesen; drei Exemplare habe die JVA täglich abonniert. Einziger Wermutstropfen: Der Ex-Betriebsratsboss muss möglicherweise warten, bis sie von den Mitgefangenen ausgelesen ist.

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