Hiergeblieben
3. Januar 2008 von Saša StanišićHier bleibt man. Hier ist der See, der See ist leise, er verrät keine Geheimnisse, er ist im Sommer zum Baden geeignet, das Leben zum Bleiben geeignet, die Sorgen löst der Handwerker, der Erbverwalter, die Zeit.
Mücken berauschen sich an gärenden Äpfeln am Ufer des Sees, Fische fliegen nach den Mücken und die Menschen grillen die Fische; am Ende sind alle besoffen und tanzen Squaredance in den Tanzschuppen der Region. Was heute Mann ist, hat sich gestern mit Mutprobe und Faustschlag härter gemacht, man ist in den See gefallen, man hat geschwängert und musste also heiraten.
Hier bleibt man. Hier ist das Verlassen hochmütig oder unfreiwillig. Alle am See waren irgendwie immer schon am See. Ein anderes Kommen außer als Fötus – Attraktion. Hier fällt kein Vogel aus dem Nest, nur der schwule Mitch vor ein paar Jahren, aber auch das wurde gelöst, gesehen hatte niemand nichts und der See ist leise und am Winter zum Schlittschuhfahren geeignet.
Hank von der Tankstelle ruft Rob an, weil sein Kabel spinnt, und Rob fährt sofort rüber, Bier im Gepäck. Am See trinken sie schnell und reden langsam. Sie schauen Fischen beim Laichen und Äpfeln beim Fallen zu. Mücken nippen an ihrem Blut. Dann gehen sie zurück zur Tankstelle und Rob repariert Hanks Kabel.

Am 4. Januar 2008 um 16:52 Uhr
gedankenflocken dazu: Iowa caucasus, schneeschaufeln als wahlwerbegeschenke und ein “stern”-cover zu Mitch’s eltern. wie die sich denn fühlen, wo doch ein Mitch in jeder schulklasse sitzt. statistisch gesehen. das 21.jahrhundert und schwulsein macht noch immer schlagzeilen.
im übrigen: hergekommen!