rose | Saša

8. Februar 2008 von Saša Stanišić

In der Zeit als ich viel Bukowski las, schrieb ich das folgende Gedicht:

und entdecke die beim rasieren vereinzelt übersehenen härchen in beiden mundwinkeln
gleich geht die zunge dahin im spiegel meine zunge und ich
mein gott in BEIDEN
scheisse es lief doch so gut bisher
mit der rose
hat sie die härchen vielleicht gar nicht gemerkt die rose
oder sich nichts anmerken lassen
weil wir alle voreinander und vor dem anmerken
ein bisschen angst haben
und zwischen dem was wir wirklich voneinander wollen meistens großstädte liegen
in denen man noch nie war

die party ist dann auch vorbei
die rose war natürlich nicht mehr aufzufinden gewesen die heißt wirklich so
verrückt
schon all die komplimente die ich mir für ihren namen aufgehoben hatte
hätten für mehrere frühstücksunterhaltungen ausgereicht

es fährt kein zug mehr
aber ich habe noch ein letztes bier und seltsam
ein lokführer sitzt da wo ich jetzt auch sitze und ihm von dem bier anbiete
das sage ich ihm auch gleich
ein komischer anblick lokführer stellt man sich in lokomotiven vor
nicht auf vorstadtbahnhöfen um vier uhr morgens

frank ist freundlich und sagt dass er frank heißt
worauf ich eines der komplimente loswerden kann
die ich nicht mehr für die rose brauche
frank
sage ich
so kann kein schlechter mensch heißen
und frank lacht er fährt güterzüge mein gott ein traum denke ich
und sage das auch
ob ich mit kann
nein

worüber denkt er nachts so mit automobilen einer neuen generation beladen
an bali und an schenkel
und wir lachen beide
natürlich nicht an mannheim-seckenheim
da stecken wir gerade
der lokführer eine dose heineken und ich in mannheim-seckenheim
der lokführer hat einen schwarzen dienstkoffer
zwischen nicken und javerstehe polizeisirenen

hier wo ich hatte rose gesagt kurz bevor ich pinkeln musste und sie für immer verlor
hier wo ich bin will ich nicht sein berlin freunde etcetera
ich auch nicht sagte ich
das licht ist aber trotzdem irgendwie geil
in mannheim-seckenheim

in der luft lag der chipsgeruch den partys so haben
wenn das bier noch nicht das kommando übernommen hat
und alle schämten sich der peinlichen fußballpleite gegen kroatien
nur ich nicht
zwischen nicken und javerstehe lag die hoffnung
dass rose mit dem auto da ist

gut
frank ist mit dem zug da
wir haben das bier doch gemeinsam getrunken
und siehe da
er packt aus dem schwarzen lederkoffer
einen bordeaux
bist du eine gute fee frage ich
und frank nimmt mich mit auf eine spritztour in den süden
baden-württembergs.

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