Kriegsgeschichten machen Angst, weil sie im Präsens erzählt werden.

21. März 2008 von Saša Stanišić

Auf der Welt sein bedeutet: der Welt nicht durch die Finger gehen.
Es geht nicht darum, nichts zu verpassen. Es geht darum, nicht verpasst zu werden.
Mein Älterwerden ist mein Ansteigen der privaten Weltmeere.
Als Denkmal oder Straßenname oder Stiftung fortbestehen, auch nachdem/
Auf der Welt sein: recherchierbar sein.
Und doch.
Mein Gott.
Aufmerksamkeitsverlust ist gleich Anwesenheitsverlust.
Reparieren: Haut, Aufmerksamkeit, Glattheit.
(Zum ersten Mal so eine Pille genommen, die dich zwar irgendwann umhaut, aber ein paar Stunden lang aufs Äußerste fokussiert hält, und sofort Stunden lang Verwaktungskram wie ein Roboter erledigt.)
Verwaktungskram.
Gezwungen zum Einfallsreichtum, zu Reisen in wärmere Länder und höhere Lagen, wo man aber kritisch sein kann wegen irgendwas.
Die Zukunft wird man mir bald aus meinen Blut- und Urinwerten lesen.
Welt retten bedeutet: sich nicht eingestehen, dass Dinge unrettbar geworden sind.
Sich weniger hinlegen wollen. Daran arbeiten.
Den Verfall verschieben.

2 Reaktionen zu “Kriegsgeschichten machen Angst, weil sie im Präsens erzählt werden.”

  1. shivaree

    gut, sehr gut.

    die blutwerte - ich musste vorgestern an sie denken. ob du deine blutgruppe schon kennst? denn ich hab sie noch immer nicht herausgefunden. im mutterkindpass hat man alles eingetragen - nur die blutgruppenzeile ist leer.

    ein bekannter von mir hat die pille für den falter getestet. wenn das die ist, die für amerikanische kampfpiloten erfunden wurde. muss den artikel raussuchen, sonst zuviel halbwissen.

  2. tibits

    Welt retten, der Anspruch der Jugend. Dreißig sein. Die Jugend klammern. Welt retten. Aufgeben. ICH.
    Wie war das noch? Krug, Brunnen, bricht. Tapfer. Keine Fragen. Unrettbar. Punkt.

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