Ausgliederung | Saša
12. April 2008 von Saša StanišićLieber Thomas, heute möchte ich dich mit einer Sache quälen, die mich selbst seit einiger Zeit kopfzerbricht. Soll die Betreuung geistig abnormer Rechtsbrecher eigentlich ausgelagert und privatisiert werden?
Nun, die finanziellen Vorteile liegen auf der Hand: Die Betreuung in der neugeplanten Justizanstalt im oberösterreischischen Asten (der Artikel oben spricht fälschlicher Weise von der “neugeplanten Justizanstalt Göllersdorf” - einem schönem Renaissancebau in der gleichnamigen niederösterreischischen Gemeinde, der allerdings schon seit etlichen Jahrzehnten existiert) würde nur an die 200 Euro pro abnormer Rechtsbrecher kosten. Momentan muss das Justizministerium mit einem Betrag von 400 Euro für die Behandlung in psychiatrischen Krankenhäusern aufkommen - die jährliche Ersparnis wird auf ca. 5 Mio Euro geschätzt.
Die Volksanwaltschaft wehrt sich wehement gegen den Gesetzesentwurf. Der Dornbusch in ihrem Auge: das medizinische und therapeutische Betreuungspersonal soll in Zukunft mittels einer privaten Agentur bestellt werden, wobei wohl - unausgesprochener Weise - zu befürchten sei, dass sich der Bund damit aus der bisherigen Verantwortung “rauskauft” und die Qualität der Betreuung schlechter kontrolierbar wird. Einer Privatisierung der Justizanstalten stünde damit nichts im Wege, womit wiederum die Beamtengewerkschaft ihre Schwierigkeiten hat.
Nun, das alles nur, um dich warm zu laufen für eine kleine Aufgabe, die ich dir stellen möchte. Auf den Wikipedia-Seiten zur Justizanstalt Göllersdorf wird sehr knapp und umso verheißungsvoller von dem folgenden Vorfall berichtet:
“Am 4. April 1995 wurde in der Justizanstalt Göllersdorf die Therapeutin Veronika Kreuziger durch den zu lebenslanger Haft verurteilten Franz Stockreiter ermordet (Franz Stockreiter stand in Vorbereitung zu seiner Haftentlassung), was zu einer veränderten Schwerpunktsetzung führte.”
Ganz abgesehen von der unbedingt spannenden “veränderten Schwerpunktsetzung” möchte ich dich bitten, uns die letzten Minuten im Leben von Veronika Kreuziger zu schildern. Und da sie diese letzten Minuten nicht allein verbracht hat, möchte ich dich bitten, das Ganze rein szenisch, ausschließlich dialogisch zu gestalten.
Ja, Thomas, bitte, die letzten Minuten einer Therapeutin namens Veronika Kreuziger oder Vera Kreuzinger, und weil die Aufgabe sicher nicht in wenigen Sekunden zu bewältigen ist - nimm dir doch bitte Zeit bis Morgen.
Und dann treffen wir uns zu einem Fazit, Ja? Sehr gut!

Am 13. April 2008 um 11:19 Uhr
Saša, Saša, sooo fordernd. Der arme Thomas. Ich bin trotzdem gespannt darauf, was jetzt zurückkommt. ;o)