Privatsphäre beim Porno-Gucken | Maria Laach
14. Mai 2008 von Saša StanišićMaria Laach heißt der Ort. Es gibt da einen See und ein Kloster. Ich bin weder geschwommen, noch habe ich gebetet. Ich habe noch niemals gebetet, ich wüßte auch - rein praktisch - nicht, wie das geht: so wie in den Filmen oder so wie in den Kirchen oder so “wie du dich Gott am nächsten fühlst”?
Ich kenne nicht sehr viele Offiziere. Eigentlich kenne ich nur einen. Er hat mich in Bonn abgeholt mit einem sehr schnellen Auto, so einem, das man mit ruhigem Gewissen “Sportwagen” nennen darf, und er hat mich in Maria Laach abgesetzt und dann hat er etwas Ofizielleres angezogen, der Offizier. Ich habe mich da in ihn ein bisschen verliebt, in all das sehr Sichere an ihm. Dass er etwas zu schnell fuhr und etwas zu langsam sprach und etwas zu fest die Hand gab und etwas zu aufrecht stand und in die Ferne sah.
Wenn auf einem Fernsehgerät möchtegern Flora vorzufinden ist, dann frage ich mich immer, was das soll. Meine Ferne beginnt immer schon dort, wo ich nicht weiter weiß, und das ist häufig im eigenen Kopf, der nach außen so tut als wüßte er besser.

Am 14. Mai 2008 um 09:17 Uhr
Sasa, Maria Laach ist großartig!!! Vergiß das Seehotel und halte dich statt dessen an den See - der übrigens ein intakter Vulkan ist. Schwimmen gehen ist nirgends schöner!!! Ich weiß, wovon ich spreche - bin nämlich in der Nähe aufgewachsen. Also, falls du noch in Ma’Laach verweilst und nicht schon wieder sonstwo unterwegs bist - ich gebe gerne Tipps, wo es die schönsten Kühe zu sehen gibt, wo man am besten über Heuballen klettern kann und wo man echt leckeres Bier her bekommt.
Beste Grüße aus Köln,
die Jasna
Am 14. Mai 2008 um 23:09 Uhr
Immer wenn ich Gott so Nahe bin, dann überkommt mich ein Schwall an Einsamkeit. Da nützen die ganzen Exerzitien nichts. Das Schweigegelübbde für eine Woche schon gar nicht. Verstärkt wird dieses Gefühl dann noch durch die einsamen Gärtner, die hier wie da Vergiss Mein Nicht und Stiefmütterchen pflanzen und pflegen. Stiefmütterchen waren schon im Mittelalter Symbol für gute humanistische Gedanken und die Bedeutung des VergissMeinNicht muss man nicht wirklich erklären. Es trägt jedenfalls nicht unbedingt dazu bei, die Einsamkeit zu verscheuchen. Symbolik wird hier groß geschrieben. Beim Stöbern in der Klosterbibliothek wünscht man sich dann zum ersten Mal wieder etwas mehr Lebenszeit als der Durchschnitt zu bekommen und beginnt weiter unten im Haus ganz leise, so dass es keiner (wirklich keiner! wer auch?) hört, ein wenig zu beten.
Da mir das Glück beschieden war, am hochwasserfreien Laacher See nicht campen zu müssen, wenngleich es Jugenderinnerungen in das Bewusstsein spülte, durfte ich mich in dieses in orangerotes Licht getauchte Zimmer zum meditieren über die Beschaffenheit des Vorhangstoffes zurückziehen. Es war eine Aufgabe für die ganze Nacht. Mit rotgeschwängerten Augen starrte ich ihn stundenlang an, aber die Erleuchtung blieb, wie immer in solchen Momenten, aus. Vielleicht wäre das eine oder andere Bier am Abend hilfreich gewesen, oder ein paar Schlucke vom Messwein, aber hier gibt es ja nur Weihwasser. Wie überleben hier Offiziere?
Am 17. Mai 2008 um 00:24 Uhr
herzlich lachen lässt maria laach nicht zu. wie jeder ursprüngliche ort. P. hat jahrelang klosterbeete umgegraben und der ursprung hat kein einziges mal zu ihm gesprochen, geschweige denn gescherzt.
vor kurzem wurde mir von veganen antikapitalisten oder antikapitalistischen veganern das handy geklaut, inklusive 2 gb musik. damit bin ich dem ursprung einen kleinen schritt näher gekommen. noch sträube ich mich dagegen.
nichts lässt sich schöner plattreden, als naturverbundenheit. wenn, dann möchte ich kopfüber eintauchen in den ur-see, bis zum grund.
bestimmt will ich dann gleich wieder neuigkeiten in den wald hineinrufen oder einen baum fällen. meine entdeckung patentieren lassen - und doch: irgendwer muss ja den fernseher und die zeit schon eingestellt haben. mindestens einem dritten auge verwehren gardinen den einblick. künstliche blumen stellen ganze klostergärten in den schatten. der spiegel zeigt sich in maria laach.
dem ursprung müsste man tatenlos zusehen, dann kann man gleich in maria laach bleiben, oder lassen, oder fern.