Nr.42

14. November 2005 von Thomas Meinecke

Beim Durchblättern der Osnabrücker Stadtzeitung.Sympathisch: Zwei mal (Sie und Er) Daumen runter für Angela Merkel als Frau. Zwei mal (Sie und Er) Daumen hoch für Robbie Williams als Mann.

Rosa Panther Stammtisch donnerstags 20 Uhr auf der Empore der Lagerhalle.

Platz 19 für Osnabrück im Men’s Health Gourmet Ranking.

Stadtblatt Osnabrück: Sie selbst betonen Ihr heiles Elternhaus. Was treibt Sie an, immer wieder gebrochene Biographien zu erfinden? Alexa Hennig von Lange: Meine Eltern kommen aus einer Generation, in der das Rollenbild überhaupt noch nicht ausgefochten war. Mit diesem Widerstreit zwischen Mann und Frau bin ich aufgewachsen. Aus dem Grund geht es in meinen Büchern immer wieder um die Suche nach einer modernen Lösung im Zusammenleben von Mann und Frau. Seit Relax wird mir dennoch vorgeworfen, ich würde die Emanzipation zunichte machen. Nur, weil sich die weiblichen Hauptfiguren Kinder wünschen.

Punks und Autonome besetzten für ein paar Tage leerstehendes Bordell. Paar Tage besetzt oder paar Tage leer?

Fräulein Menke auf dem Uni-Ball, vorgestern. Schwerpunkt: Neue Deutsche Welle. Hätte mich eventuell für ein Stündchen dahin gelockt: was Fräulein Menke eigentlich für ein Typ ist.

Die Stella McCartney Collection wurde in vierhundert H&M-Filialen vorgestellt. Angeblich: Cool und feminin. Abendgarderobe, klassische Kleider, Unterwäsche, Accessoires und sogenannte Outfits für jeden Tag.

Am 19.11. legen in einer Osnabrücker Lokalität namens Impuls-Club zwei Kölner DJs auf, feminine, die ich nicht kenne: Michaela D’Aspro und Juliet Sikora. Damenhafte Aufmachung von Juliet Sikora, dazu tief dekolletiert. Warum eigentlich sind weibliche Techno und House DJs mit Vorliebe damenhaft aufgemacht? (Siehe auch die fabelhafte Angelika Lepper alias Anki Lepper alias Mietzi Morales alias Acid Maria. In zweien meiner Romane, Hellblau und Musik, als Romanfigur fungierend. Rotes Cabriolet, damenhafte Aufmachung.)

Mit achtzehn Locations erregt Osnabrück als aufstrebende Clubstadt Aufmerksamkeit.

Am 25.11. würde ich in Osnabrücks neuen Club, Die Kleine Freiheit, gehen und dort meinen Freund Hans Nieswandt auflegen hören und sehen. Ich habe selbst schon in verschiedenen Städten, zuerst, glaube ich zu erinnern, in Bielefeld, gemeinsam und gleichzeitig mit ihm an den Plattenspielern gestanden, zunächst Ping-Pong, das heißt abwechselnd, Platte für Platte, der eine am linken, der andere am rechten Plattenspieler verharrend, bis wir eine Technik, die wir Squash nennen, entwickelten, was dafür steht, daß einer immer drei Platten nacheinander spielen, damit quasi eine Richtung einschlagen darf, also, wenn ich etwa links stand, den linken, den rechten und noch einmal den linken Plattenteller belegen durfte und Hans danach den rechten, linken und wieder den rechten. Ich in House Music immer etwas zu Techno tendierend, Hans House gern als Disco nehmend. Das läßt sich ja auch nicht voneinander trennen und gehört zu den größten Erzählungen des sexuellen Andersdenkens: Disco taucht aus dem schwulen Underground auf, wird Mainstream, hetero, und taucht dann, alias House, erneut in den Untergrund ab. Unvergeßlich unser Gig vor ein paar Jahren zur Lit. Cologne in Köln. Zunächst waren Hans und ich jeweils als Schriftsteller angefragt worden, dann, ob wir im Anschluß an unsere Lesungen auch auflegen würden, gemeinsam, dem wir ebenfalls beide zustimmten. Letzten Endes bestritten wir zwei die große Party des Literaturfestivals, im gigantischen Saal des Gürzenich, den ich aus dem Fernsehen kannte, da der Kölner Karneval darin seine jährliche Prunksitzung abhielt. Hans und ich lasen auf der eingezäunten Bühne des Saals vor circa zweihundert ebenfalls auf der Bühne versammelten Zuhörern aus unseren Büchern, während sich vor uns im Parkett sukzessive mehrere Tausend Besucher einfanden, die, ungeduldig mit den Füßen scharrend, dunkel raunend und hell mit ihren Gläsern klingelnd, auf nichts anderes als die große Party warteten. Typen wie Michel Houellebecq darunter. Als Hans und ich endlich unsere Bücher zugeklappt hatten und der freundliche Beifall des mit uns auf der Empore eingepferchten Publikums verklungen war, brachten wir den Saal tatsächlich, Seite an Seite, Squash, recht gut in Schwung mit unseren House-Platten. Der Fotograf eines großen Kölner Boulevard-Blattes versuchte sehr penetrant, die arme Doris Dörrie, die gar nicht verstand, wie ihr geschah, zwischen uns hinter das DJ-Pult zu schieben, fand das wohl eine besonders tolle Idee für ein Society-Foto. Wir fanden das eher unpassend. Am nächsten Tag sehr groß in der Zeitung: Doris Dörrie und Hans Nieswandt, neben dem DJ-Pult, ins Gespräch vertieft, sie in einem knallroten Kleid, Hans ihr gerade erklärend, daß das mit dem Foto vielleicht nicht so eine tolle Idee sei. Doris sah das ganz genauso. Die Bildunterschrift vom Tatbestand natürlich enorm abweichend. Unverschämt abweichend. Von daher: Armer Hans Nieswandt. Kannst nicht gewinnen gegen die Boulevard-Presse.

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Morgen, am 15. November 2005, lese ich im Rahmen von Jeremy Dellers momentaner Ausstellung im Kunstverein München ab 20 Uhr aus meinem Roman Musik und unterhalte mich anschließend mit Daniel Pies.

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