Nr.39
6. November 2005 von Thomas MeineckeSuper freundlich begrüßt worden in der Osnabrücker Zeitung vom 2. November, wenngleich fälschlicherweise als jemand, der noch nie vor Ort gewesen ist. Doch logisch bin ich schon in Osnabrück gewesen, am längsten 1984, nämlich ein paar Wochen im Studio Harderberg in Georgsmarienhütte, mit meiner Band, die Langspielplatte Freiwillige Selbstkontrolle Goes Underground aufzunehmen und von dort gleich weiter mit Michaela nach London zu ziehen, wo sie für ein Jahr Stipendiatin des DAAD war und ein Atelier am Kanal nahe der Kingsland Road bezog. Nicht allzu weit nördlich des Clubs, in dem wir vor zwei Wochen live spielten, vor vollem Haus, in dem alten backsteinernen Bogen eines Eisenbahnviadukts, das ich in dem brandneuen Madonna Video wiederzuerkennen glaube, wie ich darin auch Madonna in ihrer klassischen Hochform wiederzuerkennen glaube, nachdem ich sie, die um nur ein paar Jahre Jüngere, eigentlich bereits abgeschrieben hatte. Die Künstlerin in einem wie zum Ausleiern tendierenden, wie mit Baumwolle durchmischten, verschossen wirkenden blaßrosa Aerobic Dress, mit grandios unmöglich nach außen geföhnter Frisur, proletarischen, schwarzen Ghetto Blaster zu ihren Füßen, allein in einer ungemütlichen Turnhalle, sich neuen, dissidenten, ja kriminellen Tanzformen der Straße hingebend, neo-disco vor toll-schrecklichem Flöten-Abba-Sample: Popistenglück. Das Album wird ja auch den großartigen Titel Confessions on a (oder the?) Dancefloor tragen. (Ich bin doch jetzt im katholischen Osnabrück gelandet, oder?) Das Studio Harderberg mit dem legendären Vadder Groß at the controls war das erste, in dem wir unsere klanglichen Vorstellungen wirklich realisiert sahen. Der rötliche Widerschein der Hütte am nächtlichen Himmel. Wir wohnten im selben Studiogebäude, fuhren abends nach Osnabrück hinein oder auch gleich zu irgendwelchen versteckten Party Spots, privaten, im ländlichen Umland. Alle Protagonisten und Protagonistinnen aus den Augen verloren. (Die werden jetzt auch schon alle mindestens 40 sein.) Ich weiß nicht einmal, ob es das Studio noch gibt. (Sehr gern würde ich den inspirierten Ingenieur in Osnabrück wiedertreffen.)
