Nr.37

31. Oktober 2005 von Thomas Meinecke

Göttinger Tageblatt

Grabräumung auf Nesselröder Friedhof.

Rechtmäßige Einebnung setzen Unbekannte fort.

Das offensichtlich unrechtmäßige Abräumen einiger Gräber auf dem Nesselröder Friedhof hat in der vergangenen Woche für Aufregung im Nathedorf gesorgt. Tumultartige Szenen sollen sich auf dem Gottesacker abgespielt haben.

In der vergangenen Woche sollten eigentlich laut Kirchenvorstandsbeschluß zwei Gräberreihen, deren Liegezeit abgelaufen war, eingeebnet werden. Ein ortsansässiger Unternehmer wurde mit der Arbeit betraut. Doch, so berichtet Kirchenvorstandsmitglied Reinhold Frölich auf Anfrage, seien in der vergangenen Donnerstagnacht plötzlich Unbekannte auf den Friedhof gekommen und hätten eigenständig bei einer weiteren Grabreihe, die eigentlich unangetastet bleiben sollte, die Grabsteine umgeworfen: Obwohl bei einigen Gräbern die Liegezeit erst 2008 abgelaufen wäre und die Hinterbliebenen mit der Beseitigung nicht einverstanden waren. So ein Fall sei bislang im gesamten Eichsfeld noch nicht vorgekommen, ist Frölich entsetzt. In Nesselröden wird von tumultartigen Szenen gesprochen.

Von etwas 180 Grabsteinen stehen nur noch 16, hat Ortsheimatpfleger Josef Engelke festgestellt. Er wollte die Einebnung des Grabfeldes für die Chronik festhalten und mußte feststellen, daß das Grab seines Vaters auch zerstört wurde.

Als Grund wird im Dorf vermutet, daß wohl einige Einwohner der Grabpflege überdrüssig seien und sich so dieser lästigen Pflicht entledigen wollten. Im Ort macht inzwischen sogar der Begriff Volksentscheid die Runde. Ihm sei auch berichtet worden, daß die Grabsteine vor den Bagger geworfen wurden, sagt Frölich.

Doch so richtig glauben könne er das nicht, wenn man das Gewicht der Grabsteine bedenke. Er habe den Unternehmer gebeten, die Arbeiten sofort einzustellen, schließlich seien rechtskräftige Beschlüsse einzuhalten. Doch dieser sei der Aufforderung nicht gefolgt und letztendlich durch Pfarrer Wladislav Borowiecki des Friedhofes verwiesen worden.

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