Nr.34

16. Oktober 2005 von Thomas Meinecke

Kirtahutschn.

Die Nebel, die zunächst noch vom See her heraufwallten, haben sich gelichtet. Ein weiterer sonniger, spätsommerlicher Tag entfaltet sich. Junos Kaninchen (unsere Tochter in England) aus dem Stall gelassen (gestern mußten sie wegen Michaelas Panel im Zusammenhang ihrer Münchner Föhrenwald-Ausstellung drinnen bleiben). Angekündigt: Mehrere Autos mit Freunden aus Berlin, Frankfurt und München (Bildende Kunst, Architektur, Philosophie, Schallplatten). Etwa hundert Meter nach dem südlichen Dorfrand werden wir nach links abbiegen, Haidach (Siedlung hier seßhaft gewordener Autobahnarbeiter) durchfahren, die Garmischer Autobahn unterqueren, die Gemeindewiese mit dem grandiosen Alpenblick passieren, den Schloßberg mit seinem achtzehnprozentigen Gefälle nach Eurasburg hinunterrollen (einmal mit dem Fahrrad hochgeradelt, das soll genügen), vorbei an Pestsäule und Maibaum, dem Schreiner (der mir diese Tischplatte hier anfertigte) und dem Schulhaus. Wir werden vor der Bruckmannschen Fabrik nach rechts auf die Landstraße Richtung Beuerberg einbiegen und gleich nach der ehemaligen Schloßmühle (an der wir vor elf Jahren Holz für unsere Baustelle, den inneren Umbau unserer Arbeits- und Wohnräume, zusägen ließen, in der wir vergeblich nach einem Proberaum für unsere Band anfragten), vor dem gemeindlichen Feuerwehrhaus (hinter dem sich der Schmied, der diesen Hof im vorletzten Jahrhundert bewohnte, das Schilf schnitt), wieder nach links in Richtung Baierlach. Nach dem Überqueren der Loisachbrücke werden wir unsere Autos linkerhand auf einer großen Wiese abstellen. An der Biegung des Flusses (wie in Louisiana sieht das hier aus, dachte ich, als ich zum ersten Mal herkam, wie auf einem Church Picnic in Texas) steht eine große hölzerne Scheune, in der (im Sommer davor, am Flußufer) mehrmals im Jahreskreis Feste gefeiert werden. Heute ist Kirtahutschn. An schweren Ketten, die am Dachgebälk der Scheune befestigt wurden, hängt ein hölzerner Balken von den Ausmaßen eines großen Baumstamms. Auf ihm sitzen rittlings Leute und schaukeln das Gerät bis in abenteuerliche Höhen hinauf. Wir sitzen an Biertischen, auf Bierbänken und erfreuen uns an den Klängen der örtlichen Blaskapelle (die nun leider doch nicht im Münchner Kunstverein Acid Brass für Jeremy Deller interpretieren wird). Zunächst gibt es Kaffee und Kuchen, dann stark gesalzenen und gepfefferten Käse (der so angenehm Durst macht), dazu das gute Holzkirchner Bier.

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