Nr.31
5. Oktober 2005 von Thomas MeineckeSchönes Fundstück in der gestrigen Ausgabe des Göttinger Tageblatts (ich erhalte ja immer die jeweils gestrige Ausgabe): Der Literaturredakteur der Tageszeitung Die Welt unterhält sich in Göttingens ausverkauftem Deutschen Theater mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Krekeler: „Kritik hat mit Zeit und persönlichen Umständen zu tun.“ Reich-Ranicki: „Auch mit sexuellen Neigungen. Gibt man einem homosexuellen Kritiker ein Buch zum Besprechen, muß man sehr aufpassen.“ (Er lobe homosexuelle Autoren, interessiere sich besonders für homosexuelle Figuren.)
Ich habe unterdessen endlich damit angefangen, meine im Zusammenhang mit der für den kommenden August im Kölner Museum Ludwig anberaumten Ausstellung über Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960 stehenden Erzählungen zu verfassen. Titel der Ausstellung: Das 8. Feld. (Wo beim Schachspiel der Bauer in die Königin verwandelt werden darf.) Meine Erzählungen sollen unter dem Titel Feldforschung firmieren. Was ein bißchen auch eine Hommage an Hubert Fichte ist. (Aufregende und ungewohnte Produktionsumstände: Einerseits eine Auftragsarbeit für die Kuratoren Frank Wagner und Kaspar König, aber gleichzeitig mein, wie soll ich sagen, richtiges nächstes Buch, mit dem ich nach vier Romanen auch wieder zu kürzeren narrativen Formen finden möchte.) Einstieg: Wieso schaltete das Ehepaar Richard Gere und Cindy Crawford eine ganzseitige Anzeige in der Times, um klarzustellen, daß ihr gegenseitiges Verlangen heterosexueller Natur ist?
Morgen wird mein Vater 80 Jahre alt. Michaela, Juno und ich werden in Hamburg mit ihm feiern. Am Sonntag abends zurückkehren.
