Netznotizen von Saša Stanišić

Saša Stanišić war der dritte Netzautor. Er hat seine Notizen von Juni 2007 bis Ende Mai 2008 hier veröffentlicht.

Willst du mich jetzt mit Nostalgie völlig fertig machen?

Sonntag, den 23. März 2008

SICH VOM GERIATRISCHEN NICHT ABLENKEN LASSEN. SICH DEM INTELLEKTUELLEN UND SEXUELLEN DRUCK NICHT WIDERSETZEN. DEN VERFALL NICHT KASCHIEREN. ES GIBT DAZU LINKS IN DEN E-MAILS. ICH HABE ES AUSPROBIERT, MAN BEKOMMT DAS BESTELLTE WIRKLICH.
LEO (am PC, in ein Headset:)
Werte Herren und Damen Schamanen, mehr Mana-Totems, war vorhin zu schnell leer.
AGNES:
Geht gleich los; jemand Mana?
LEO:
Durchbuffen!
EVA:
Aye, […]

Kriegsgeschichten machen Angst, weil sie im Präsens erzählt werden.

Freitag, den 21. März 2008

Auf der Welt sein bedeutet: der Welt nicht durch die Finger gehen.
Es geht nicht darum, nichts zu verpassen. Es geht darum, nicht verpasst zu werden.
Mein Älterwerden ist mein Ansteigen der privaten Weltmeere.
Als Denkmal oder Straßenname oder Stiftung fortbestehen, auch nachdem/
Auf der Welt sein: recherchierbar sein.
Und doch.
Mein Gott.
Aufmerksamkeitsverlust ist gleich Anwesenheitsverlust.
Reparieren: Haut, Aufmerksamkeit, Glattheit.
(Zum ersten Mal so eine Pille […]

Die Lachmaschine

Samstag, den 8. März 2008

ROGER und WERNER im Studio.

ROGER
Sag mal was.
WERNER
Was?
Gelächter.

ROGER
Das war nur ein Test. Ich wiederhole, das war nur ein Test.
WERNER
Wer lacht denn da?
ROGER
Die Lachmaschine.
WERNER
Wozu braucht man die?
ROGER
Menschen heulen lieber mit den Wölfen.
WERNER
Das ist doch Manipulation.
ROGER
Entweder du bist Teil des Problems, oder Teil der Lösung.
WERNER
Die lachen da, wo nix komisch ist.
ROGER
Darüber haben nicht wir zu entscheiden.

Go West. Graz. Schauspielhaus. 7.3.2008.

Donnerstag, den 6. März 2008

GEORG und ROSEMARIE spähen durch den Vorhang.
GEORG nervös
Noch ist ja Zeit.
ROSEMARIE
Noch ist Zeit, ja.
ROSEMARIE sehr schnell
Jaja, aber schön hier vorne die beiden Nonnen in der ersten Reihe, das hat schon was, die sind ja jetzt schon unkritisch und die Nonnenklamotten, da muss man wirklich an Pinguine denken, manche sagen, Panda-Bären, ich sage Pinguine.
GEORG
Pinguine gucken doch […]

Der Weg zur Einbürgerung 1 - Formulare holen

Dienstag, den 12. Februar 2008

Ich habe beschlossen, deutscher und Deutscher zu werden. Daraufhin habe ich mich auf mein Fahrrad gesetzt (gekauft in Heidelberg 1996) und bin in die Einbürgerungsbehörde geradelt. In der Einbürgerungsbehörde muss man eine Nummer ziehen. Ich dachte mir, ich versuchs mal ohne, und siehe da, es ging gut.
Die Dame von der Einbürgerungsbehörde war meinem Anliegen gegenüber […]

Lieber Saša | Ben

Sonntag, den 10. Februar 2008

ich habe heute Nacht nur vier Stunden geschlafen. Ich kam angeschwipst von einem Abendessen und habe mich, weil ich auch in diesen Dingen noch immer Kind bin, morgens um kurz vor zwei meinem neuen Handy gewidmet, Software installiert, erste Nachtaufnahmen gemacht, mich über die schlechte Videoqualität geärgert, die im Internet als herausragend angepriesen wird und […]

Lieber Ben | Saša

Sonntag, den 10. Februar 2008

ich sitze mit deinem Text und einem Englischen Frühstück im Bistro Take Off am Flughafen in Graz. Das Englische Frühstück im Bistro Take Off kann ich dir nicht empfehlen. Das Rührei ist mehr eine Ei-Brühe, zu feucht und zu hell, der Schinken hat mit einem Tier weniger gemein als du und ich, und die Erdbeerkonfitüre […]

Images of the past, alles in den Müll geworfen | Ben

Samstag, den 9. Februar 2008

Meine Tante bat mich in die Wohnung, ich nahm auf einem Küchenstuhl Platz. Es gab einen Löffel Jacobs Kaffee in ein Glas heißes Wasser, genau wie zu Hause. “Du bist ja so groß wie dein Vater”, freute sie sich, obwohl das nicht stimmt. Meine Tante heißt Toni, ich fragte beinahe entschuldigend: „Toni, hast du etwas […]

Images of America | Saša

Samstag, den 9. Februar 2008

I am losing rights daily | Ben

Freitag, den 8. Februar 2008

Wenn ich heute noch Gedichte schreiben würde, beinhalteten sie vielleicht Sätze wie:
Der Wind hüllt sich in Plastiktüten
Zeitungen und Abdeckplanen
Über Häuserdächern kleidet er sich
wieder schamlos
in schwarz und rot und gold
er dreht Pirouetten in Hinterhöfen
er tanzt dort ganz ungestört
mit dem Feinstaub meiner Jugend
Deshalb schreibe ich keine Gedichte mehr. Lieber schreibe ich über Willy Cohn, den armen Herrn […]


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