Einträge mit dem Tag ‘Gast’

I am losing rights daily | Ben

Freitag, den 8. Februar 2008 von Saša Stanišić

Wenn ich heute noch Gedichte schreiben würde, beinhalteten sie vielleicht Sätze wie:
Der Wind hüllt sich in Plastiktüten
Zeitungen und Abdeckplanen
Über Häuserdächern kleidet er sich
wieder schamlos
in schwarz und rot und gold
er dreht Pirouetten in Hinterhöfen
er tanzt dort ganz ungestört
mit dem Feinstaub meiner Jugend
Deshalb schreibe ich keine Gedichte mehr. Lieber schreibe ich über Willy Cohn, den armen Herrn […]

So lange man kann | Saša

Donnerstag, den 7. Februar 2008 von Saša Stanišić

Der mir bekannte Stammbaum meiner Familie ist ein Bäumchen. Der jüngste Ast ein Cousin in Zavidovići, er hat eine Freundin und kann gut Fußball spielen, der höchste meine Oma K. in Višegrad. Ein Olivenbaum. Wegen des Kurzen und Immerkrummen. Aber ein Olivenbaum würde den mir bekannten Stammbaum meiner Familie jederzeit in jeder Sportart weghauen.
Ich rufe Oma […]

Geschenke | Saša

Mittwoch, den 6. Februar 2008 von Saša Stanišić

Eine Modelleisenbahn. Ich weiß nicht mehr von wem. Keine Weichen, kein Bahnhofshäuschen, keine Männlein, die herumstehen und Hut tragen, keine Stadt, kein Tunnel. Die Schönheit der Schlichtheit. Es ist überliefert, dass meine Faszination für das Ding etwa eine Woche gehalten hatte. Die Hälfte dieser Zeit soll ich damit verracht haben, mir immer neue Wege auszudenken, den Zug […]

Alain, auch wieder Arved | Ben

Dienstag, den 5. Februar 2008 von Saša Stanišić

Ich habe meinen Patenonkel nicht an die Nazis verloren, sondern an den Krebs. Deutschland hat ihn an die Nazis verloren, er lebte nach 1933 mit seiner Familie in Lyon. Deutschland hat meinen Patenonkel nicht vermisst, obwohl er von seinen jüdischen Eltern christlich getauft worden war, und trotzdem holte es ihn zurück. Einfach verschwinden, war nicht vorgesehen. Ich […]

Die Muschel | Saša

Dienstag, den 5. Februar 2008 von Saša Stanišić

Ich habe noch nie eine Sandburg gebaut. Ich war noch nie begraben unter warmem Sand, mein Kopf draußen für Sonne, Lachen und Luft. Ich habe noch nie am Strand übernachtet oder Sex gehabt, habe niemals besoffen in die Brandung gekotzt. Ich war nie auf einer Strandparty, habe nie bis in den Morgengrauen durchgetanzt mit Leuten, […]

Farbensteller | Saša

Montag, den 4. Februar 2008 von Saša Stanišić

Als ich acht oder neun war, bin ich absichtlich in Leute gelaufen. In Wartende, in Spaziergänger, in Postboten, in Touristen. Ich rempelte sie an, damit sich unsere ‚Linien’ kreuzten. In meiner Vorstellung war jedes Menschenleben eine solche Linie, schlängelnd durch unendliches Weltschwarz. Ich bin eine Linie, du bist eine Linie. Das Jetzt ganz vorne, es ist das […]

Ich seh’ was, was Du auch siehst | Zu Gäste: Benjamin Lauterbach

Samstag, den 2. Februar 2008 von Saša Stanišić

Ab Montag, dem 4. Februar, wird Benjamin Lauterbach hier zu Gast sein. Im Text werden Benjamin und ich uns Gäste sein. Eine Woche lang jeden Tag zwei Einträge. Einträgliches als Netznotiz. Ein Konsens? Ein Dissens? Jedenfalls Ansichten, Draufsichten und der Versuch, einander etwas abzugewinnen. 
Die Texte werden durch Bilder, Sätze, Settings, Atmosphären verbunden - impulsiv assoziativ, Nähe, Distanz, wo […]